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Film ab für die Liebe (2016)

Eine schwungvolle Liebeskomödie vor und hinter der Fernsehkamera um Sehnsucht, Erkenntnis und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen

 

Film ab für die Liebe - Schwungvolle Liebeskomödie - Leseprobe


1. Kapitel - Ein aufregendes Abenteuer


Am frühen Samstagmorgen reißt mich Joe Cockers Reibeisenstimme aus dem Tiefschlaf. Ich taste nach dem Handy  und entdecke den Namen ROBERT STOLZE auf dem Display. Huch, mein Chef!? In den gesamten sieben Wochen, die ich als Assistentin für seine Fernsehproduktionsfirma Golden Gloria arbeite, hat er mich noch kein einziges Mal angerufen.
Ich reibe mir die Augen, um sicherzugehen, dass ich nicht träume, räuspere mich und atme tief ein. „Katharina Spatz?“ Uh, meine Stimme hört sich ja schrecklich verschlafen an!
„Pack Klamotten für zwei Tage ein“, schallt es aus dem Hörer. „Wir drehen eine Folge 'Bauernhochzeit' und du darfst mit zum Set kommen.“
Mit einem Schlag bin ich hellwach. „Ich darf ... Das ist ja großartig! Unglaublich!“ Ich krieg mich gar nicht wieder ein. Bislang habe ich meine Arbeitstage nur mit Kaffeekochen und im muffigen Archiv verbracht. Ein richtiges Set kenne ich allenfalls vom Hörensagen.
„Ich hab den Auftrag gerade eben bekommen“, jubelt er. „Ist verdammt kurzfristig, aber ne tolle Chance, wieder ins Doku-Soap-Geschäft einzusteigen.“
Robert und seine Frau Olivia haben Golden Gloria erst vor ein paar Monaten gegründet, nachdem Roberts vorherige Firma Proudly pleite gegangen ist. Ich muss mir mit Olivia das Büro teilen und habe sie wohl schon dreihundert Mal prahlen hören, dass sie ihren Mann aus dem Schlamassel gezogen hat: Mit ihrer selbstlosen Courage, ihrem fundierten Fachwissen und dem Geld ihrer Mutter.
„Ich beeile mich“, rufe ich, hopse aus dem Bett und stoße mir prompt den großen Zeh am Kleiderschrank.
Mein Zimmer ist eigentlich eine Abstellkammer. Die dazugehörige Wohnung gehört Jana, ihre Eltern haben sie ihr geschenkt. Jana studiert Jura und als Gegenleistung für das Dach überm Kopf frage ich sie aus ihren Büchern ab.
Bis vor Kurzem verlief mein beruflicher Werdegang in Schlangenlinien. Ich konnte mich irgendwie für keinen Job so richtig begeistern. Nach dem Abi habe ich Kulturwissenschaften studiert und anschließend wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. Es gibt tausend Möglichkeiten, wie soll man sich da entscheiden? Ich machte ein Praktikum im historischen Museum (langweilig), bei der Tageszeitung (ging so) und im Kulturdezernat der Stadt (grässlicher Laden), und weil ich danach immer noch keinen Plan hatte, hängte ich ein freiwilliges Jahr bei den Kunstgenossen dran.
Eines Sonntags, als Jana und ich in Jogginghosen und mit einer Familienpackung Schokoladeneis auf dem Schoß vor der Glotze abhingen, kam mir die Idee, Fernsehproduzentin zu werden. Ich will Gutes in die Welt bringen, ich will etwas bewirken, und da bin ich beim Fernsehen genau richtig. Eine einzige Sendung kann das Leben von Millionen Menschen verändern, ist das nicht großartig? Sehr viele junge Leute wollen zum Fernsehen und so grenzte es an ein Wunder, dass ich den Job als Assistentin bei Golden Gloria bekam.
Ich humple ins Bad, dusche und fasse meine nassen braunen Locken zu einem Pferdeschwanz zusammen. Dann schlüpfe ich schnell in Jeans und Shirt und fahnde im Durcheinander unterm Bett nach meiner alten Sporttasche. Sie ist unter einer Staubschicht vergraben. Jana taucht im Türrahmen auf, sie ist in einen flauschigen Bademantel gehüllt und hält eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand.
Ich berichte ihr euphorisch von meinem Aufstieg in die Produktionsriege.
„Doku-Soap?“ Sie schaut mich erstaunt an. „Ich dachte, euer Laden macht Image-Filme für Unternehmen.“
Ich schüttle die Staubflusen aus der Tasche und werfe ein paar Klamotten hinein. „Das stimmt, aber in Stolzes ehemaliger Firma haben sie Doku-Soaps gemacht. Robert freut sich total, dass wir jetzt wieder bei Super Alpha TV im Geschäft sind!“
Kathis dicker gelber Kater Emil stolziert ins Zimmer und schnurrt mir um die Beine.
„Doku-Soap ist der letzte Mist“, verkündet sie und ich seufze auf. Jana hat so ziemlich an allem etwas auszusetzen.
„Da werden arme Leute ausgenutzt!“
Ich setze Emil aufs Bett und flitze rüber ins Bad, um meine Zahnbürste, Duschbad und Deo zu holen.
„Ich hab im Internet Videos von Betroffenen gesehen. Die solltest du dir angucken, dann weißt du, was da abgeht“, ruft sie mir hinterher.
Ich sause zurück in mein Zimmer. „Das mag ja vielleicht in Einzelfällen vorkommen, aber in der 'Bauernhochzeit' ganz sicher nicht.“ Ich lege die Toilettenartikel in die Tasche und mühe mich mit dem klemmenden Reißverschluss ab. „Darin geht es um ein verliebtes Paar vom Lande, das bald heiraten will.“
Jana schlägt sich die Hand vor die Stirn. „Die Sendung kenn ich doch, die läuft neuerdings freitagabends! Die machen Clowns aus dem Hochzeitspaar und verarschen sie vor der Kamera nach Strich und Faden.“
Ich zwinge mich zu Nachsicht und Geduld. „Aber doch nicht in unserer Produktion! Das Publikum wird zu Tränen gerührt sein.“ Der Zipper bleibt auf halber Strecke stecken, zwei Zähne des Reißverschlusses springen mir entgegen und landen auf dem Fußboden. Upps!
„Zu Tränen des Mitleids vielleicht. Katharina, du solltest die Finger davon lassen. Du machst dich unglücklich.“
Manchmal geht mir Jana echt auf den Senkel. Immer sucht sie nach dem Haar in der Suppe. Oder gönnt sie mir meinen Erfolg etwa nicht? Ich werfe ihr einen forschenden Blick zu, sehe echte Besorgnis in ihren Augen, und schäme mich für meine fiesen Gedanken.
„Du kennst dich gut mit Pferden aus, aber was Menschen angeht, bist du ziemlich ahnungslos“, behauptet sie.
Ich zucke zusammen. Warum muss sie mich ausgerechnet jetzt an Gustavs Pferdehof und meinen geliebten Hercules erinnern? Seit meinem Weggang vor sechs Jahren bemühe ich mich, die Erinnerungen an mein Heimatdorf zu verdrängen.
Mein Blick wandert zum Fenster. Ich wünschte, die Welt dahinter wäre erfüllt vom Gesang der Vögel und dem leisen Plätschern des Mühlbaches. Ich würde mich an den Rand der Koppel setzen und den Pferden beim Grasen zuschauen. Doch hinter meinem Fenster tobt das Stadtleben auf Asphalt und in Betonklötzen. Die unentwegte Geschäftigkeit zu vieler Menschen auf zu engem Raum.
Ich verscheuche die trüben Gedanken. Heute ist der Tag der Tage! Golden Gloria rückt zu einer Fernsehproduktion aus und ich bin dabei! Ein aufregendes Abenteuer wartet auf mich.
„Ich muss los“, sage ich und ergreife die beiden Henkel der Tasche. Zack reißt einer ab. Ich klemme mir die Tasche unter den Arm und wir gehen nebeneinander über den Flur zur Wohnungstür.
„Sorry, ich hab dich noch gar nicht gefragt, wie dein erstes Date mit Alexander war.“ Alexander ist ebenfalls Jurastudent, und Jana ist seit Monaten in ihn verknallt.
Ein verträumtes Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. „Wir hatten ein total romantisches Candlelight-Dinner im Schlossgarten“, schwärmt sie. „Alexander wird die Kanzlei seines Vaters übernehmen.“ Eine steile Falte teilt ihre Stirn in zwei Hälften. „Irgendwie ist das mit ihm zu schön, um wahr zu sein.“
„Du erzählst mir alles haarklein, wenn ich wieder da bin, okay?“
„Mädelsabend?“ Sie hält mir die Hand hin. Jana hat’s nicht so mit Umarmungen.
„Ich freu mich drauf“, entgegne ich und schlage ein. Auf meinem Gesicht breitet sich ein Lächeln aus. „Jana?“
Sie zieht eine Augenbraue hoch.
„Genieß das mit Alexander! Wenn’s zu schön ist, um wahr zu sein, dann könnte es Liebe sein.“ Ich gebe ihr einen Kuss auf die Wange. Dann drehe mich um und springe die Treppenstufen hinunter.